Hungersnot

26.10.1845
Von allen Gemeinden im Oberamt Spaichingen hat Obernheim den stärksten Befall von der Kartoffelfäule. Was im Acker nicht fault, verfault im Keller. Das Oberamt empfiehlt die Kartoffeln in Chlorkalk und Soda zu waschen. Der Hagel vernichtet den Großteil der Getreideernte. 9)
25.04.1846
Von 237 Familien sind noch 50, welche sich selbst ernähren können. Alle anderen müssen Essensfrüchte und Saatfrucht kaufen. 50 von ihnen sind ohne Geld und nehmen von der Gemeinde Kredit auf. Weitere 50 verhält die Kirchenpflege. 10)
1846
Der Hagel vernichtete:
Im Winterösch von 50 – 90 %
im Sommerösch von 20 – 90 %.

Anfang September wurden die Kartoffelkräuter schwarz, weil die Kartoffeln ohne Ausnahme von der Fäule befallen waren. Die Bürger dörren die Kartoffeln, um sie so der Fäule zu entziehen. Die betreffenden Familien erhielten zu diesem Zweck zusätzliches Brennholz von der Gemeinde. 12)
12.02.1847
Von 920 Bürgern können 685 kein Saatgut mehr kaufen. Die Gemeinde nimmt einen Kredit auf. 13)
11.04.1847
65 Personen erhalten von der Gemeindeverwaltung täglich je ½ Pfund Mehl ausgehändigt. 15)
18.05.1847
Die Gemeinde richtet eine Suppenanstalt ein und reicht 3 mal täglich an 63 Personen eine Suppe. 14) Die Kartoffelfäule dauert an.
1847
Die „ledigen, jungen Männer“ erbauen auf Anregung von Pfarrer Josef Gaul (in Obernheim vom
26.10.1846-1870) die Bubenkapelle auf dem Markbühl, geweiht der schmerzhaften Muttergottes. 39)
27.12.1851
Aus einer Mitteilung an die Kreisregierung: "Seid 6 Jahren die verherrende Kartoffelkrankheit hier herrscht wie nirgends so im Lande.“ 19)
08.01.1852
Von 250 Familien sind keine 10 schuldenfrei. Die Gemeinde nimmt weiteren Kredit auf und vergrößert ihre Schulden. 20)
06.03.1852
Es wurde wieder eine Suppenanstalt eingerichtet. Ca. 50 Personen werden verpflegt. 21)
Die Bauern mussten ihren Viehbestand zum Eigenverbrauch und aus Futtermangel verkleinern.
Viehbestand:
  • 1845 447 Stück 11)
  • 1852 290 Stück 22)

*) Quellen Nachweise