Die Geschichte des Pilgerhäusle

Es sei vorweg genommen, diese älteste Obernheimer Kapelle, an der Hauptstraße Richtung Deilingen und Wehingen stehend, hatte ursprünglich den Namen „Bilgenhäusle“.[1] Die Kapelle, um 1540 gebaut  und der Muttergottes geweiht, könnte namentlich auf den Familiennamen „Bilgr, Bilgrin, Pilgrin, Bilgerys“ zurückzuführen sein, denn Erzherzog Sigmund berief 1483 Conraden und Martin Bilgrinen als Träger der Kirche Obernheim.[2] Schon an der vorgenannten Jahreszahl lässt sich die Entstehung in die Reformationszeit taxieren.  Mit der Kapelle verbunden ist eine wohl um 1400 entstandene „Heiligkreuzkapelle“ im Gewann „Hinter Linden“ an der Grenze zu Tieringen.

Diese Kapelle ist in den Reformationswirren zerstört worden und nur das in der Kapelle befindliche Marienbild zur „unbefleckten Empfängnis“ wurde nach Obernheim in die Pfarrkirche gerettet. In der Pfarrbeschreibung von 1870 wird berichtet, dass dieses Marienbild insgesamt 3mal von der Kirche zu den Trümmern zurück gekehrt sein soll und erst als man eine Kapelle an der Straße nach Deilingen errichtete, in Obernheim verblieben ist. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war dieses Marienbild, eventuell eine Marienstatue, im Pilgerhäusle. Die Pfarrbeschreibung berichtet, dass die Kapelle nur vier Personen Platz bot. Nach einer Vergrößerung und Renovierung  Mitte des 19. Jahrhunderts misst das schmucke, kunsthistorisch wertvolle Gebäude  7,20 m Länge und 3,90 m Breite.


Dem besonderen Gelübde einer tiefgläubigen Mutter ist es zu verdanken, dass noch heute jeden Freitag ein Rosenkranz gebetet wird. Diese Frau versprach um 1873, wenn ihr Sohn wieder sehend würde,  jeden Freitag im Pilgerhäusle zu beten. Sie hat dieses Versprechen gehalten.
Zwischenzeitlich befindet sich die Kapelle nicht mehr am Ortsrand sondern ist durch nachfolgende Bebauung in die Ortschaft integriert.


[1] Diözesanarchiv Rottenburg a.N. G 1.3 Fasc. 2 Seite 27/28
[2] Hauptstaatsarchiv Stuttgart B 467a Bü 100, 19.7.1759