Orte der Stille, des Gebets und der Besinnung
Kapellen in Obernheim
In der Gemeinde Obernheim und dem Weiler Tanneck spielen Kapellen, Wege- und Flurkreuze, Bildstöcke und christliche Symbole seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle. Sie spiegeln den tief verwurzelten Glauben der Bevölkerung wider und werden größtenteils von Privatpersonen liebevoll gepflegt und erhalten. Jede Kapelle erzählt ihre eigene Geschichte und lädt zu Gebet, Innehalten oder einem kurzen Moment der Andacht ein.
Bubenkapelle (Bubenbühlkapelle)
Die Bubenkapelle, auch „Bühlkapelle“ genannt, wurde 1847 auf Initiative des Ortsgeistlichen Pfarrer Josef Gaul von jungen ledigen Männern Obernheims errichtet. Sie ist der schmerzhaften Muttergottes geweiht.
Die Errichtung der Kapelle fällt in eine Zeit schwerer Missernten und Hungersnöte, wodurch die Kapelle für die Gläubigen ein Zeichen der Hoffnung und des Vertrauens auf bessere Zeiten wurde.
Heute ist die Bubenkapelle durch die bauliche Entwicklung des Ortes fast vollständig umgeben, wird aber weiterhin gepflegt und lädt Vorbeigehende zu einem kurzen Gebet oder stillen Innehalten ein.
St. Wolfgangs-Kapelle (Scheibenbühlkapelle)
Die St. Wolfgangs-Kapelle auf dem 947 m hohen Scheibenbühl ist die größte Kapelle Obernheims und überragt das umliegende Dorf. Errichtet 1869, basiert sie auf der Tradition einer älteren Kapelle aus dem Jahr ca. 1313, die 1812 abgerissen wurde. Ein Altärchen aus dieser ursprünglichen Kapelle wurde 1894 in die neue Kapelle eingebaut.
Die Kapelle wurde überwiegend durch Spenden finanziert und ist eng mit der Geschichte der Gemeinde verbunden. Besonders die Geschichte der Glocke, die während des Ersten Weltkriegs vor dem Einschmelzen gerettet wurde, macht sie zu einem besonderen Symbol der Verbundenheit der Gemeinde.
Jedes zweite Jahr am Pfingstmontag findet hier eine Bergmesse statt, die Gläubige des Dekanats Balingen zusammenführt.
Pilgerhäusle
Das Pilgerhäusle, ursprünglich „Bilgenhäusle“ genannt, wurde um 1540 erbaut und der Muttergottes geweiht. Es gilt als die älteste Kapelle Obernheims.
Mit seiner Geschichte, die bis in die Reformationszeit zurückreicht, ist das Pilgerhäusle ein Zeugnis tiefen Glaubens. Ein Marienbild, das einst aus einer zerstörten Kapelle gerettet wurde, befindet sich heute in der Kapelle. Seit 1873 wird hier jeden Freitag der Rosenkranz gebetet – ein Versprechen einer Gläubigen, das bis heute gepflegt wird.
Nach der baulichen Entwicklung des Ortes liegt das Pilgerhäusle mittlerweile mitten in der Ortschaft, doch sein historischer Charme bleibt erhalten.
St. Wendelin(us)-Kapelle (Tanneck)
Die St. Wendelinus-Kapelle im Weiler Tanneck wurde 1848 aus Spendengeldern erbaut und diente den Bewohnern des jungen Ortsteils als erstes kleines Gotteshaus. Ursprünglich bildeten um 1840 etwa 12 Gebäude den Ort Tanneck.
Die Kapelle wurde 1957 grundlegend renoviert und verlängert, die Ausschmückung von 1977 und 1993 sorgt dafür, dass sie heute gepflegt und kunstvoll erhalten ist. Wanderer nutzen die Kapelle für stille Einkehr und Andacht. Im Dachreiter hängt ein kleines Glöcklein, das täglich von der Familie Lauchert geläutet wird. Die Kapelle enthält zudem alte kunstvolle Schnitzereien, die ihren historischen Wert unterstreichen.


