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Von der Vergangenheit zur Zukunft

Geschichtliches zu Obernheim

Die Gemeinde Obernheim liegt im Süden des Zollernalbkreises auf dem sog. "Heuberg" und der Achse Balingen - Tuttlingen, eingebettet in eine Mulde oben in einem Trockental, welches in Richtung Balingen führt. Um 1285, zur Zeit der Stadterhebung von Nusplingen, war Obernheim der zu oberst gelegene Ort von 8 "...heim"-Orten rings um die neue Stadt: Oberdigisheim, Unterdigisheim, Obernheim, Bubsheim, Egesheim, Königsheim, Ensisheim und Hartheim (59)

Die 1501 Hektar große Gemarkung erreicht eine Höhe von 777 bis 988 m über dem Meer; der Ortskern liegt bei etwa 900 Höhenmetern. Zur Gemeinde Obernheim gehört der 3 km entfernte Weiler Tanneck mit 30 Häusern (ab 1817 erbaut) und der Wendelinus-Kapelle (1848 neu und erstmals erbaut). In Richtung Nusplingen, 1 km von Obernheim entfernt, steht noch das 1841 errichtete Wohnhaus mit Scheuer und Stall der 1836 erbauten Ziegelhütte, an der Stelle "wo schon vor Zeiten eine Ziegelhütte gestanden ist". Auf der anderen Straßenseite befindet sich die heute eingeebnete Lehmgrube. (1)

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Bodenfunde

Registrierte und anerkannte Bodenfunde lassen auf 6 vorgeschichtliche Siedlungsplätze schließen. (61)

  1. Beim Bau der Dreschhalle 1938 Obere Dorfstr. 51, heute Fabrikgebäude, wurden gefunden: Scherben und ein rotes Schüsselchen aus der Hallstattzeit 800 - 500 vor Christus
  2. Die Hochfläche des Burgbühls 975 m war wiederholt besiedelt.
    Funde liegen vor: Feuersteingeräteaus der Mittelsteinzeit 12000 - 4000 vor Chr. und Jungsteinzeit 4000 - 1800 vor Chr. zahlreiche Scherben aus der Urnenfelderzeit 1200 - 800 vor Chr. und Hallstattzeit 800 - 500 vor Chr.
  3. Am Rande der Hochfläche Tannsteig oberhalb des "Süßen Brünnele" wurden gefunden: Klingen, Schaber, Kratzer, Dreieckspitzen, Pfeilspitze aus Jaspis aus der Mittelsteinzeit 12000 - 4000 vor Chr. und Jungsteinzeit 4000 - 1800 vor Chr.
  4. Am Steilrand oberhalb des Kohlstattbrunnens: Siedlungsreste aus der Urnenfelderzeit 1200 - 800 vor Chr. und Hallstattzeit 800 - 500 vor Chr.
  5. In der Flur Beutenloch: Scherben aus der Bronzezeit 1800 - 800 vor Chr.
  6. In der Flur Markberg: Spuren starker Besiedlung aus der Hallstattzeit 800 - 500 vor Chr. und Latenezeit 500 vor Chr. - 100 n. Chr.

Erst-Nennung von Obernheim

Obernheim auch Oberhain, Oberhan, Oberna und Obernen genannt, konnte sich erst spät zum Dorf entwickeln.

Ältester Nachweis: 1140

Gozbertus de Obernheim, freien Standes, (also hochadelig) unterzeichnet neben Burkard von Lautlingen als Zeuge in Schwenningen bei Villingen für das Kloster Gegenbach. (79)

Wasser ist Leben

Das fehlende Wasser war in Obernheim über Jahrhunderte das größte Problem. Die klüftigen Kalke des Weißjura der Hochfläche über 900 m ließen so gut wie keine beständige Wasserquelle zu. Erst tiefere Schichten innerhalb der Gemarkung liefern Quellwasser:

  • Der "Seltenbach" im Eschental 2 km vom Ortskern entfernt, fördert gutes Wasser, versiegt aber bei Trockenheit.
  • Das "Neubrünnle" im Harrastal unterhalb Tanneck gibt gutes Wasser bei einer Entfernung von über 3 km.
  • 3 Quellen im Tann: "die Howiel-Quelle", die Quelle bei "Schnitzers Kreuz" im Kapuzinerzipfel, und die Quelle "im Kneile", liefern bestes Wasser und wurden 1895 gefasst und an die Stadt Schömberg zur Trinkwasserversorgung verkauft. Entfernung bis zu 4 km.
  • Die "Bitzquelle" am Ortsausgang Brunnenstraße zwischen Nr. 4 und 8, heute Gemüsegarten, ist nur als Viehtränke ausgewiesen. Ein Löschwasserteich wurde gespeist. Seit der Kanalisierung der "unteren Wittum" um 1962 ist die Quelle versiegt.
  • Die "Heckental-Quelle" auf Gemarkung Nusplingen, zugänglich über einen Steilabhang, 3 km entfernt,
    hat gutes Wasser. 1496 wurde vertraglich geregelt, dass die Tränke von den Obernheimern in "Röhren und in Maß" genutzt werden kann. (31)
  • Den "Brühlbach" 1,5 km Richtung Oberdigisheim, speist die Kohlstattbrunnenquelle auf Gemarkung
    Oberdigisheim. 1869 bestätigt der Rechtsanwalt, "dass der Gemeinde Obernheim das Recht zustehe an dem vom Eschental herfließenden Baches mit bespannten Wägen, Butten und Kübel das Wasser zu holen und ihr Vieh dort zu tränken." (25)

Das Bemühen, Trinkwasser im Dorf zu fördern, führte im Jahre 1832 zur Brunnengrabung hinter der Krone am Rebberg. Ein qualifizierter Fachmann aus Stockach legte Zeugnisse über erfolgreiche Grabungen vor. Unter erheblichen Kosten floss bei einer Schachttiefe von 23 m immer noch kein Wasser. (2)

Mit 70 Zisternen wurde in Obernheim um 1885 das Regenwasser der Dachtraufe gewonnen. Erst der Anschluss an die Heubergwasserversorgungsgruppe 1887 löste den Obernheimer Wassermangel. (43) (60)

Landwirtschaft und Nebenerwerb

Das rauhe Klima, die kurzen Sommer, die steinigen, trockenen Böden in der Höhenlage um 930 m boten wenig Anreiz, diese Hochfläche schon früh zu besiedeln.  "Viel Steine gab’s und wenig Brot" Über Jahrhunderte wurde die Dreifelderwirtschaft - Winterfrucht, Sommerfrucht, Brache - betrieben. Erst nach Einführung der Stallfütterung 1863 und der gezielten Düngung konnte die Brache (1 Jahr ausruhen des Bodens) unterbleiben.

Um 1770 wurde gegen viel Misstrauen seitens der Bauern mit dem Kartoffelanbau begonnen.

1750

Die Herrschaft verordnete den Obstanbau. Noch im Jahre 1804 war in Obernheim kein Obstbaum zu finden. (45)

1837

Maulbeerbäume wurden zur Seidenraupenzucht gesetzt, was erfolglos ausfiel. (3)

1876

Der Burgbühl, 975 m hoch, war außer dem Kniebis der höchste Punkt Württembergs, wo noch Getreide angebaut wurde. (44)

1935 - 1955

In der Tabelle der Bodenertragsfähigkeit steht Obernheim von 45 Gemeinden an 41. Stelle mit der Bodenklimazahl 28,5 %. Zum Vergleich: Heidelberg-Rohrbach erreicht 85 %. (46)

ab 1860 - 1920

Insbesondere junge Handwerker wie Maurer, Gipser und Zimmerer suchten ihren Erwerb in der Schweiz, im Elsaß und in Frankreich.

1863

Eine Zündhölzlefabrik wurde betrieben. (23)

ab 1850

Es entwickelte sich ein recht interessanter Nebenverdienst im Baumwollweben.

1862

Es waren mehr als 200 Handwebstühle meist in der unteren Stube in Betrieb. Die Obernheimer mit dem Spitznamen „Bienen“ schätzten insbesondere zur Winterszeit diese Einnahmen. (24)

1896

Eine Ebinger Firma (heute Albstadt) baute eine Samtschneiderei mit Handkurbel-Schneidtischen. (26)

1900

Die Industrialisierung setzt ein.

1903

Endschuhflechten (aus Trikotresten) war ein Zubrot für einige Familien.

1904

Es begann eine Mundharmonikafabrik aus Trossingen im oberen Stock des Armenhauses zu produzieren und baute 1 Jahr später ein Filialgebäude in Obernheim. (28)

1905

In einem Wirtschaftssaal wurde eine Filiale mit Riemenschneiden (Schuhnestel aus Lederabfall) betrieben.

1913

Die gleiche Firma errichtete eine Samtweberei mit eigenem Dampf-Elektrizitätswerk. (29)

1914

Die elektrische Energie wird in Obernheim installiert. (30)

Die Burg

Die Anfänge der Besiedlung in „Obernhain“ sind zweifellos in Verbindung zur Burg auf dem Burgbühl zu sehen. Um 1050 kam eine regelrechte Burgenbauwelle von steinernen Höhenburgen hier in der Gegend in Gange. Die Quellen-Nachweise zeigen weder Zeitpunkt der Erbauung noch Namen unserer Burg und des Erbauers. Um 1100 könnte die Bauzeit liegen. Die Burggräben in Richtung Harrassteige sind heute noch eindeutig sichtbar. Der einzige nachgewiesene hochadelige Obernheimer 1140 Gozbertus freien Standes (79) Zeuge bei einer Schenkung an das Kloster Gengenbach, könnte der Erbauerfamilie angehören.

Von 2 Namen der Burg: "Hainburg und Riederburg" ist der 1. eher zutreffend. "2 Juchard (=70 ar) vor dem Tor Hainburg acker.“ (Tor der Burg). (32) Die Felder zwischen dem Burgbühl und Tanneck heißen „Riederburg“. Hochadelige Spuren verlieren sich. Wann oder wie die Burg zerfiel, ist nicht bekannt. 100 Jahre später tauchen niederadelige Oberhainer Ritter, Ministerale (Dienstmann, unfreie Ritter, niederer Adel) und Gutsverwalter in der Gegend um Saulgau und Ravensburg als verantwortliche Vertragspartner auf:

1251

Albertus miles (Ritter), Soldat in Obernheim ist Zeuge beim Verkauf des Besitzes des Schwigger von Gundelfingen an das Kloster Heiligkreuzthal. (69)

1287

"Das Oberhain guot“ zu Repperweiler Oberamt Saulgau schenkt Graf Hug VI. von Montfort-Scheer
dem Kloster Habsthal. (72)

1300

"Die von Obernhain hant 2 Guot ze Fulgenstadt“ als Lehen der Grafen von Landau. (71) (heute Domäne „Landauhof“ bei Binzwangen)

1349

Albertus Obernhain wird Bürger in Ravensburg. (75)

1367

"Johansen von Obernhain“ wird erwähnt beim Verkauf von Hohenberg an Württemberg. (85)

1369

Er ist Zeuge beim Verkauf von 3 Höfen bei Waldsee.

1379

Hans von Oberhain wird Bürger in Ravensburg und besitzt einen Hof in Lippertsweiler, heiratet Lucia Humpis Tochter des Ulrich, Ministerale in Ravensburg. (76) Johann führte in seinem Siegel ein Wappen mit Querbalken, das heute das Obernheimer Gemeindewappen darstellt. (62)

1429

Für ihn besteht ein Jahrtag im Karmeliter-Kloster Ravensburg. (77)

1433

Albrecht Obernhein ist Kirchherr (Pfarrer) von Zug und wird in das Kloster Schussenried als Sachwalter bestellt. (82)

Besiedelung von Obernheim

Die um 1240 in die Ravensburger und Saulgauer Gegend gezogenen Obernheimer ließen hier Verwandte zurück, die unter schwersten Bedingungen in dieser Höhenlage den Ackerbau ausdehnten. Im Oberland um Saulgau war damals die Ertragskraft 3 mal höher wie in Obernheim. Nusplinger Bauern trieben noch Viehherden auf die Obernheimer Weiden.

Erste Höfe sind nachgewiesen:

1259

Ein Eigengut zu Obernhain des Grafen Albrecht von Hohenberg und ein Gut zu Gosheim mit dem Zehnten zu Schömberg verleiht er an Ritter Friedrich von Ebingen. (84)

1327

Graf Rudolf von Hohenberg übergibt an das Kloster St. Pelagien in der Altstadt Rottweil für seine ins Kloster aufgenommene Tochter Mechthild seine Eigenleut zu Obernheim: "Demut Berchtold Sprällingers Witwe und ihre Söhne Hermann Berchtold und Albrecht.“ (73)

1335

Graf Rudolf I. von Hohenberg verleiht Obernheim um 400 Lb. (Pfund Heller) an den Bürger zu Rottweil Burkhard Weisherr. (74)

1388

Das Hans Eger Gut zu Obernhain verpfändet Graf Rudolf von Hohenberg innerhalb seiner Herrschaft Kallenberg an den Grafen von Sulz. (81)

1472

ist die in der Gegend übliche Gemeindeverfassung sichtbar. (63)

1495

Das Frauenkloster Margrethausen bezieht Einkünfte aus 3 Höfen in Oberhain: (33)

  • "Hans Stierlis“ aus 28 Jauchard Äcker, 10 Mannsmad Wiesen
  • "der alt Wiz“ (Wizemann) aus 15 Juch. Äcker, 10 Mannsmad Wiesen
  • "hans Kolbing“ aus 4 Juch. Äcker, 2 Mannsmad Wiesen
  • "Kolbing und Stierlin jausen miteinander“ (zusammen 
    einspannen)
  • "Burckmuoller“ von Oberhaim git us sinem hus und ganze hoeffraytti“ (Hofgebäude, Nebengebäude, Gärten)

Bei voriger Erneuerung der Einkünfte des Frauenklosters Margrethausen ist der 1. bekannte Vogt in Obernheim im Amt: "in den Pfingstfyrtagen in dem jaur als man zalt dussend fierhundert und in dem LXXXXV jaur in hainrichs peters hus der zyt vogt.“ (peter=Nachname) (34)

1500

  • ca. 20 Häuser (64)

1580

  • ca. 200 Einwohner

1630

  • 350-400 Einwohner

1701

  • ca. 450 Einwohner (36)

1757

  • 514 Einwohner (58)

1768

  • 83 Häuser

1807

  • 797 Einwohner (65)

1841

  • 163 Häuser (57)

1885

  • 1051 Einwohner
  • 221 Häuser (37)

1900

  • 1005 Einwohner
  • 229 Häuser (27)

1950

  • 1180 Einwohner

1957

  • 276 Häuser (57)

1968

  • 1325 Einwohner
  • 351 Häuser

1987

  • 1344 Einwohner
  • 451 Häuser

2000

  • 1507 Einwohner

Herrschaftsverhältnisse

Obernheim gehörte stets derselben Herrschaft an wie Nusplingen.

842

Nusplingen gehört zur Grafschaft Scherra. (66)

ca. 1170

Die Grafen von Hohenberg erbten Grafenrechte in Scherra. Obernheim diente in der Herrschaft
Kallenberg den Grafen zu Oberhohenberg bei Deilingen. Luftlinie bis zum Burgbühl ca. 4 km. (47)

1381

Herzog Leopold von Österreich kauft die Grafschaft Hohenberg um 66.000 „schwere Goldgulden“. Die Stadt Nusplingen stellt den Mittelpunkt der Herrschaft Kallenberg dar. 48) Die renovierte Ruine der Kallenburg steht im Donautal bei Fridingen.

1388-1401

Österreich verpfändet Kallenberg an den Grafen von Sulz / Neckar. (49)

1401-1695

Kallenberg geht an den Schwager des Sulzer Grafen den Truchseß Hans von Waldburg. (49)

1698-1707

Österreich gibt Kallenberg dem Obervogt zu Fridingen / Donau in seinen Bestand. (50)

1702-1805

Der österreichische Kaiser Leopold I. überlässt dem Reichshofrat von Ulm/Erbach gegen ein Darlehen die Herrschaften: Kallenberg, Werenwag und Poltringen-Oberndorf. (50)

1805

Hohenberg wird württemberisch. (51)

1810

Obernheim gehört zum Oberamt Spaichingen. (52)

1938

Obernheim kommt zum Kreis Balingen (53)

1973

Obernheim kommt zum Zollern-Alb-Kreis.

Leibeigenschaft

Die Anfänge des Leibeigenschafts-Verhältnisses gehen bis in die Zeit der ersten Nutzbarmachung des zu bebauenden Grundbesitzes zurück. Ziel war nach heutigem Verständnis: verantwortungsvolle, motivierte Mitarbeiter. Neben verschiedenen Lasten hatten die Leibeigenen auch einen gewissen Schutz.

Als Leibherren kommen vor: Hochadel, niederer Adel, Bischöfe, Klöster, Kaplaneien, Städte und Ortsheilige. Mitvererbt wurde die Leibeigenschaft nur von der Mutter auf die Nachkommen. (55)

Bekannte Eigenleut des Grafen von Hohenberg in Obernheim:

  • 1327: 5 Personen (33)
  • 1703: 47 Personen (65)
  • 1723: 53 Personen (65)

Als Beispiel einige Lasten:

  • Bei Entlassung aus der Leibeigenschaft war Manumissionsgeld (Entlassungsgeld) zu zahlen. (55)
  • Leistung des Hauptrecht und Fall. Zu leisten war das Besthaupt beim Tode des Leibeigenen, bei einem Mann das beste Ross oder der beste Stier, bei einer Frau die beste Kuh, das der Leibherr einziehen ließ. Dies verlangten später die Kallenberger von sämtlichen Einwohnern, auch von Nicht-Leibeigenen. (56)

1782
Der österreichische Kaiser Joseph II. hat gesetzlich in Vorderösterreich die Leibeigenschaft aufgehoben. So auch in der Folgezeit in Obernheim.

Mühlenbann

Die Bauern waren in eine Mühle „gebannt“. Sie durften ihr Getreide nur dort mahlen lassen. Bis zum Bau der Rottweiler Steige von Nusplingen Richtung Obernheim am Uhufelsen vorbei 1867, fuhren die Obernheimer über die Austeige nach Nusplingen in ihre Bannmühle, die sog. "Herrschaftsmühle“. (18)

1849 Der Mühlenbann wurde aufgehoben. (54)

Fron-Dienste

Die Frondienste, Fuhr- oder Handfron, waren an herrschaftlichen Gebäuden oder Anlagen, im Feld, in Scheune und Stall, ohne Entlohnung von den Untertanen zu leisten. Speise und Trank musste der Herr reichen.

1822

Fronen musste jeder Bürger bis zum 65. Lebensjahr, außer er sei „presthaft“ oder gesetzlich frei. (4)
Die Obernheimer leisteten zur Hälfte Frondienste an der Herrschaftsmühle in Nusplingen und lieferten Holz, Sand, Stein und Kalch zur Renovierung der Mühle.

1836

Ablösung des zu liefernden Fronholzes zur Mühle nach Nusplingen. (5)

1839

Ablösung der Frondienste in 6 Jahres-Zielern (Raten). (6)

1841

Ablösung der Fuhr- und Handfronen am Schloß Kallenberg und den zugehörigen Gebäuden. (7)

Zehnt-Abgaben

Karl der Große 768-814, König des Fränkischen Reiches, 800 in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt, gilt als Erfinder des Zehnten. Der Untertan musste dem Grundherrn den 10. Teil seiner Ernte in Natura überlassen. Später wurde auch in Geld (Surrogatgeld) geleistet.

In Obernheim entrichtete Zehnten:

  • Großzehnt: Vesen (Dinkel), Haber, Roggen, Gerste.
  • Kleinzehnt: Hanf, Flachs, Obst, Rüben, Kraut, Zwiebeln, Erbsen, Linsen, Bohnen.
  • Neubruch- oder Novelzehnt: Bei Umbruch einer Wiese in einen Acker, oder wenn aus Ödland ein Acker gerodet „gereutet“ wurde.

1843

Mit Handgelübde wurden verpflichtet: 8) 2 Zehntknechte der Pfarrei und 1 Zehntknecht der Stiftungspflege. Die Zehntknechte schieden auf dem Acker jede 10. Garbe aus und luden sie auf ihren Wagen, der zur Zehntscheuer, in Obernheim zur Pfarrscheuer gefahren wurde.

1849

Die Gemeinde löst den Zehnten der Pfarrei und der Stiftungspflege ab. (16) Es wären mindestens noch 10 verschiedene Steuern und Abgaben der Leibeigenen oder Bürger aufzuzeigen, was den Rahmen dieser Zusammenstellung sprengen würde.

Kriege

1525 - 1866

13 Kriege brachten Unheil in unsere Gegend.

1870 - 1871

Frankreich / Deutschland (70er-Krieg), 40 wurden eingezogen, 2 kehrten nicht zurück. (38)

1914 - 1918

1. Weltkrieg 49 Gefallene und Vermisste.

1939 - 1945

2. Weltkrieg 99 Gefallene und Vermisste.

Die Pest

1610/1611
Die Pest, der schwarze Tod bricht aus. Tote pro Jahr aus dem Totenbuch der Pfarrei Obernheim:

  • 1607
    • 4 Personen
    • ca. 220 Seelen (35)
  • 1608
    • 3 Personen
  • 1609
    • 2 Personen
  • 1610
    • 11 Personen
  • 1611
    • 62 Personen
  • 1612
    • 0 Personen
  • 1613
    • 3 Personen
  • 1614
    • 0 Personen
  • 1615
    • 2 Personen
  • 1616
    • 2 Personen

1635/1636
Zweite Pestwelle:

  • 1631
    • 2 Personen
  • 1632
    • 3 Personen
    • ca. 350 Seelen (35)
  • 1633
    • 0 Personen
  • 1634
    • 5 Personen
  • 1635
    • 82 Personen
  • 1636
    • 10 Personen
  • 1637
    • 2 Personen
  • 1638
    • 0 Personen
  • 1639
    • 0 Personen
  • 1641
    • 2 Personen

Hungersnot

26.10.1845

Von allen Gemeinden im Oberamt Spaichingen hat Obernheim den stärksten Befall von der Kartoffelfäule. Was im Acker nicht fault, verfault im Keller. Das Oberamt empfiehlt die Kartoffeln in Chlorkalk und Soda zu waschen. Der Hagel vernichtet den Großteil der Getreideernte. (9)

25.04.1846

Von 237 Familien sind noch 50, welche sich selbst ernähren können. Alle anderen müssen Essensfrüchte und Saatfrucht kaufen. 50 von ihnen sind ohne Geld und nehmen von der Gemeinde Kredit auf. Weitere 50 verhält die Kirchenpflege. (10)

1846

Der Hagel vernichtete:

  • Im Winterösch von 50 – 90 %
  • im Sommerösch von 20 – 90 %.

Anfang September wurden die Kartoffelkräuter schwarz, weil die Kartoffeln ohne Ausnahme von der Fäule befallen waren. Die Bürger dörren die Kartoffeln, um sie so der Fäule zu entziehen. Die betreffenden Familien erhielten zu diesem Zweck zusätzliches Brennholz von der Gemeinde. (12)

12.02.1847

Von 920 Bürgern können 685 kein Saatgut mehr kaufen. Die Gemeinde nimmt einen Kredit auf. (13)

11.04.1847

65 Personen erhalten von der Gemeindeverwaltung täglich je ½ Pfund Mehl ausgehändigt. (15)

18.05.1847

Die Gemeinde richtet eine Suppenanstalt ein und reicht 3 mal täglich an 63 Personen eine Suppe. (14) Die Kartoffelfäule dauert an.

1847

Die „ledigen, jungen Männer“ erbauen auf Anregung von Pfarrer Josef Gaul (in Obernheim vom
26.10.1846 - 1870) die Bubenkapelle auf dem Markbühl, geweiht der schmerzhaften Muttergottes. (39)

27.12.1851

Aus einer Mitteilung an die Kreisregierung: "Seid 6 Jahren die verherrende Kartoffelkrankheit hier herrscht wie nirgends so im Lande.“ (19)

08.01.1852

Von 250 Familien sind keine 10 schuldenfrei. Die Gemeinde nimmt weiteren Kredit auf und vergrößert ihre Schulden. (20)

06.03.1852

Es wurde wieder eine Suppenanstalt eingerichtet. Ca. 50 Personen werden verpflegt. (21)
Die Bauern mussten ihren Viehbestand zum Eigenverbrauch und aus Futtermangel verkleinern.

Viehbestand:

  • 1845: 447 Stück (11)
  • 1852: 290 Stück (22)

Auswanderung außerhalb Deutschland

Die sich immer wiederholenden Notjahre zwischen 1845 und 1852 lösten die 2. Auswanderungswelle aus.
23.09.1848: "In den letzten 3 Jahren bereits 100 Persohnen ausgewandert, u. diese Auswanderungen täglich ganze Familien nach sich ziehen und wieder frisch auswandern.“ (17)

Ziel war für ca. 95 % Nord- und Mittelamerika, 5 % zogen nach Siebenbürgen / Ungarn.

1721 – 1771:
In diesen Jahren, insbesondere 1744, setzte die 1. Auswanderungswelle mit dem Ziel Ungarn ein. 41 Personen verließen Obernheim.

Gründe:

  • Hunger und finanzielle Not infolge immer wiederkehrender Missjahre.
  • Abwerbung des ungarischen Staates weckte Hoffnung auf neue Existenz. (78)

Kirchliches

Etwa 40 m hinter der vorne erwähnten Ziegelhütte erhebt sich ein kleiner Hügel am Fuße des Kirchlebühl. Auf diesem Hügel stand die 1812 abgebrochene Wolfgangskapelle mit Eremitage (Einsiedelei). Eine mächtige Linde mit einem angeschraubten weißen Feldkreuz erinnert an die Stelle.

1551: Jährlich abgehaltene Bittprozessionen der Egesheimer am Markustag (25.4.) und der Reichenbacher an Maria Magdalena (22.7.) zur Wolfgangskapelle nach Obernheim sind belegt. " Soweit das Wolfgangsglöcklein klingt soweit kein Hagelschlag gelingt.“ (83) Der Zeitpunkt der Erbauung der Wolfgangskapelle und der Eremitage ist nicht nachweisbar, könnte um die 1300 liegen.

Lebensgeschichte des Hl. Wolfgang:

Um 924: geboren in Pfullingen als Sohn des Grafen Hermann (Pfullichgaugraf). Erzogen in der Klosterschule Reichenau / Bodensee.

965 trat er in das Benediktinerkloster Einsiedeln / Schweiz ein.

970 wurde er zum Priester geweiht, verließ bald danach das Kloster und missionierte in Ungarn.

972 ernannte Kaiser Otto II. Wolfgang zum Bischof von Regensburg.

976 zog er sich ins Kloster Mondsee zurück, weil er im Streit Otto II. gegen Herzog Heinrich II. von Bayern, dessen Kinder er erzog, nicht Partei ergreifen wollte.

31.10.994 Wolfgang starb während einer Reise in Pupping (Oberösterreich). Er wurde in St. Emmeran in Regensburg beigesetzt. (80)

07.10.1052 In die neu erbaute Wolfgangskrypta in dieser Kirche wurden seine sterblichen Überreste umgebettet.

Die Gründung der kath. Pfarrei Obernheim

1437 wird die 1. Kaplanei zum Altar der Jungfrau Maria, in der Filialkapelle zu Oberhan, der Mutterkirche Nusplingen, erwähnt. Der 1. Kaplan dieser Kapelle verließ pflichtwidrig die Stelle, weil der Altar nicht genügend dotiert sei, ihn zu ernähren. Auf wiederholte Ausschreibungen fand sich kein Nachfolger. (67)

09.12.1472 Weihetag eines 2. Altars, zur hl. Dreifaltigkeit in der Kapelle der Jungfrau Maria. Diese 2. Kaplanei stiftete die Gemeinde Obernheim und der Kirchen-Rektor zu Nusplingen. (67)

1494 Die 3. Kaplanei auf einen Altar der hl. Afra stiftete die Witwe Katharina Uracherin des seel. Hansen Urach zu Riedlingen. Katharina geb. Suter ist in Obernheim geboren. (67) (42)

1507 erfolgte die Loslösung aus der Mutter-Pfarrei Nusplingen gegen 10 Malter Frucht jährlichen Separationszins. (67) Die selbständige Pfarrei St. Afra Obernheim wurde errichtet.

Quellen Nachweis

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